„Die Marquise von O...“
Schauspiel
Heinrich von Kleist
Premiere: 24. April 2020

Inszenierung Christopher Fromm
Bühne und Kostüme Friederike Külpmann, Franziska Schweiger
Dramaturgie Judith Heese

In ohnehin schon brutalen Kriegszeiten macht die Marquise von O... eine besonders traumatisierende Erfahrung: Feindliche Scharfschützen zerren Julietta während eines nächtlichen Überfalls in einen Hinterhalt, und nur das Eingreifen des plötzlich auftauchenden Graf F... verhindert einen sexuellen Übergriff noch drastischerer Art. Tags drauf werden die Täter ausfindig gemacht, nach kurzem Verhör exekutiert und der edle Retter in der Not, bevor er sich verabschiedet, mit Lobreden gefeiert. Einige Wochen nach diesem Vorfall stellt die junge, bereits verwitwete Frau fest, dass sie schwanger ist. Verzweifelt beteuert Julietta, nicht die geringste Erinnerung an die Zeugung ihres dritten Kindes zu haben. Was zweifelhaft klingt, wird ihr auch von ihren Eltern nicht geglaubt. Die Tochter von bislang „vortrefflichem Ruf“ muss das elterliche Haus, in das sie nach dem Tod ihres Mannes zurückgekehrt war, verlassen. Fortan schlägt sich die Schwangere mit ihren Töchtern alleine durch, wächst an der Krise, gewinnt an Selbstbewusstsein – und entwickelt eine ungeahnte Radikalität, aus der heraus sie beschließt, mithilfe einer Zeitungsannonce der Wahrheit näher-zukommen und den Mann zu finden, der ihr das angetan hat ...Geprägt von den grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen seiner Zeit, vor allem von den Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution, erzählt Heinrich von Kleist von „der gebrechlichen Einrichtung der Welt“. In „Die Marquise von O...“, erstmals 1808 in der Zeitschrift Phöbus abgedruckt, verspottet er eine Doppelmoral, die im Grunde alles erlaubt, so lange es im Verborgenen geschieht.

Zugleich entwirft der berühmte Literat – zu einer Zeit, in der die Zwangsheirat allmählich vom Konzept der Liebes heirat abgelöst wird, aber eine Schwangerschaft noch immer als Beweis für einvernehmlichen Sex gilt – ein bis heute kontrovers diskutiertes Frauenbild: Ist „Die Marquise von O...“ nun die Geschichte einer erfolgreichen weiblichen Emanzipation? Oder die einer weiteren, aus toxischer Maskulinität resultierenden Unterwerfung? Christopher Fromm, Jahrgang 1991, wuchs in Oldenburg, auf Spiekeroog und auf der Isle of Man auf. Nach einem kurzen Aus-flug in die Frachtschifffahrt studierte er in Hamburg Film- und Fernsehregie. Während seines Studiums jobbte er in den dort ansässigen TV-Studios, assistierte beim „Tatort“ und realisierte eigene Projekte. Von 2013 bis 2015 arbeitete Fromm als Videograf und Live-Cam-Operator am Oldenburgischen Staatstheater, wo er im Anschluss eine Stelle als Regieassistent annahm. Während seines Engagements inszenierte er mehrere kleine Projekte mit dem Jugendclub und dem Oldenburger Schauspielensemble. In der Spielzeit 2018/2019 gab Fromm schließlich sein Regiedebüt im Abendspielplan: „Der Steppenwolf“ von Hermann Hesse als multi-mediales Duett.
Seit Beginn der Spielzeit 2018/2019 ist er als Regieassistent am Schauspiel Essen engagiert und wird hier Kleists „Marquise von O...“ auf die Bühne der Casa bringen.
(Theater und Philharmonie Essen)

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