Luisa Miller
© Thilo Beu
„Luisa Miller“
Melodramma tragico in drei Akten
Giuseppe Verdi (1813-1901)
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Libretto: Salvatore Cammarano
Literarische Vorlage: Kabale und Liebe von Friedrich Schiller
Uraufführung: 8. Dezember 1849 im Teatro San Carlo in Neapel

Ort und Zeit der Handlung
Tirol, 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts (so im Libretto)

Personen
Graf Walter (Bass); Rodolfo, sein Sohn (Tenor); Federica di Ostheim, Walters Nichte (Alt); Wurm, Walters Castellan (Bass); Miller, ein Soldat im Ruhestand (Bariton); Luisa, seine Tochter (Sopran); Laura, ein Bauernmädchen (Mezzosopran); ein Bauer (Tenor); Dorfbewohner, Hofdamen, Pagen, Bedienstete, Leibwachen (Chor)

Handlung
Erster Akt: "Liebe"
1. Bild liebliches Dorf
Luisa Miller wird von den Dorfbewohnern ein Ständchen zum Geburtstag dargebracht. Unter den Gratulanten befindet sich auch ihr geliebter Rodolfo. Dieser ist erst vor kurzer Zeit mit dem neuen Schlossherrn Walter in das Dorf gekommen. Luisas Vater misstraut dem jungen Mann. Auf dem Weg zur Kirche fordert der Schlossverwalter Wurm von Luisas Vater die Hand seiner Tochter. Doch der Vater lehnt den Heiratsantrag ab. Aus Eifersucht verrät Wurm, dass Rodolfo der Sohn des Grafen Walter ist.
2. Bild, Saal in Walters Schloss
Der Schlossverwalter verrät dem Grafen Walter die Liebesbeziehung seines Sohnes zu dem Dorfmädchen Luisa. Dies widerspricht Walters eigenen Plänen für seinen Sohn. Dieser soll die Herzogin Federica di Ostheim heiraten. Als Rodolfo der Herzogin von seiner Liebe zu Luisa erzählt, erwacht die Eifersucht in ihr.
3. Bild, Millers Haus
Luisa ist verzweifelt, als ihr Vater ihr die wahre Identität ihres Geliebten offenbart und von den Heiratsplänen des Grafen berichtet. Doch Rodolfo erscheint und steht zu seiner Liebe zu Luisa. Er schwört Luisa ewige Treue. Da kommt sein Vater, Graf Walter, hinzu und beschimpft das junge Mädchen als Dirne. Dies kann Miller nicht dulden und setzt sich zur Wehr. Schließlich wird er von der Leibwache des Grafen gefangen genommen. Um Miller zu retten, droht Rodolfo seinem Vater damit zu enthüllen, wie dieser zu Besitz und Titel kam.

Zweiter Akt: "Intrige"
1. Bild, Miller Haus
Die Dorfbewohner reden über die Festnahme Millers. Wurm besucht Luisa und schlägt ihr einen Weg vor, ihren Vater zu retten: Sie soll mit einem Brief, der ihr diktiert wird und auch gegenüber Federica persönlich ihre Liebe zu Wurm "bekennen". In ihrer Verzweiflung willigt Luisa in den Betrug ein.
2. Bild, Raum in Walters Schloss
Walter wird über die gelungene Erpressung Luisas unterrichtet. Doch seine Sorge gilt seinem Sohn, der weiß, dass der Besitz und Titel nur deswegen an seinen Vater gefallen sind, weil dieser gemeinsam mit Wurm einen Mord an seinem Vetter begangen haben. Luisa wird herbeigeführt und wiederholt vor Federica das erpresste Liebesgeständnis.
3. Bild, Garten des Schlosses
Luisas Brief hat Rodolfo in tiefe Verzweiflung gestürzt. Er fordert Wurm zum Duell. Doch Wurm entzieht sich der Auseinandersetzung, indem er in die Luft schießt. Der Graf eilt herbei und gibt scheinheilig seine Zustimmung zu einer Hochzeit mit Luisa. Doch als Rodolfo seinem Vater von dem Brief erzählt, schlägt dieser ihm vor, sich an Luisa zu rächen, indem er Frederica heiratet..

Dritter Akt: "Gift"
Letztes Bild, Miller Haus
Luisa will ihr Leben beenden und offenbart in einem Abschiedsbrief an Rodolfo die Intrige Wurms. Doch ihr aus der Haft entlassener Vater kommt rechtzeitig zurück und kann sie von dem geplanten Selbstmord abbringen. Sie beschließen gemeinsam, das Dorf am nächsten Tag zu verlassen und in der Fremde ein neues Leben anzufangen. Rodolfo erscheint und gießt heimlich Gift in eine Tasse. Er fordert Luisa auf, mit ihm aus der Tasse zu trinken. Als Luisa sich dem Tode nahe fühlt, offenbart sie Rodolfo die Wahrheit. Walter und Wurm erscheinen, um Rodolfo zur Hochzeit mit Federica abzuholen. Miller hält seine tote Tochter in den Armen. Rodolfo ersticht mit letzter Kraft den Schlossverwalter und verflucht sterbend seinen Vater.

Entstehung
Zusammen mit dem Hausdichter Salvatore Cammarano (1801-1852) musste Verdi zwei neue Opern für das Teatro San Carlo in Neapel schreiben, nachdem sie bei "Alzira" zusammengearbeitet hatten. Sie einigten auf "La battaglia di Legnano" (Uraufführung 27. Januar 1849, Teatro Argentina, Rom) sowie "Luisa Miller" nach Friedrich Schillers Drama "Kabale und Liebe" (1783). Verdis hatte bereits zwei andere Dramen von Schiller vertont, "Giovanna d'Arco" (Libretto von Temistocle Solera nach "Die Jungfrau von Orléans", 1845) und "I Masnadieri" (Andrea Maffei nach Die Räuber, 1847). Cammarano schickte im Mai 1849 einen ersten Entwurf des Librettos an Verdi, der sich zu der Zeit in Paris aufhielt. Verdi begann mit der Komposition. In der folgenden Zeit gab Verdi verschiedene Vorschläge für die musikdramatische Gestaltung, die der Librettist jedoch nicht umsetzte. Im August beendet Cammarano das Libretto. Vor allem die strenge Zensur zwang den Librettisten zu Änderungen gegenüber dem Drama und auch die geltende Hierarchie an den Opernhäusern hatte großen Einfluss auf die Gestaltung der Oper. Alle politisch brisanten Passagen wurden gestrichen, die Hauptfigur musste in Rodolfo umbenannt werden, da der in Neapel regierende König beider Sizilien Ferdinand hieß. Um das ganze Personal der Oper einsetzen zu können, mussten Chorszenen geschaffen werden, die Rollen mussten innerhalb der Stimmen in die Hierarchie gebracht werden, wie sie zwischen den Darstellern des Hauses galt. So waren Verdi und Cammarano gezwungen, gegen den dramatischen Aufbau und die Glaubwürdigkeit zu arbeiten. Die Oper besteht aus Verdis gekonnten Melodien und eindrucksvollen Rhythmik. Er schuf ausdrucksvolle und effektreiche Musik, auch wenn er die Charaktere eindrucksvoller hätte gestalten können und wollen, jenseits der gängigen Stereotypen. Verdi schaffte es jedoch mit einer neuartigen Ouvertüre, die kein Potpourri der kommenden Melodien ist, sondern die eine Art "Schicksals- und Liebesmelodie" einführt, im Laufe der Opernhandlung immer wieder die nahende Katastrophe und die Willkür der Herrschenden gegenüber dem Volk in der variantenreichen Musik zum Anklang zu bringen.
(Sigrid Riemer für die Theatergemeinde Essen)

Schillers „Kabale und Liebe” ist 1784 wie kaum ein anderes Stück „ein Dolchstoß in das Herz des Absolutismus”. Verdi dringt 1849 mit seiner Adaption in die bürgerliche Sphäre des kritischen Gesellschaftsdramas vor. In seiner dritten Vertonung eines Sujets nach Schiller rückt erstmals ein kleinbürgerliches Familienmilieu ins Zentrum.
Die neapolitanischen Behörden wähnen Schillers „Louise Millerin” – so der ursprünglich von Schiller geplante Titel – weit entfernt von einem gesellschaftskritisch brisanten Stück. Unbeeindruckt von Verdis Protesten passt sein Librettist, Salvatore Cammarano, den Stoff den Gesetzen der neapolitanischen Operntradition an und verwandelt dabei ein Stück von beißender Gesellschaftskritk in scheinbar harmlose „Tiroler Alpenfolklore”, die Verdis Musik jedoch souverän übergeht.

Verdi gelingen hervorragende Charakterstudien, die besonders einen Regisseur wie Dietrich Hilsdorf reizen mussten, nachdem er das Schauspiel schon zuvor inszeniert hatte. Darüber hinaus galt das besondere Interesse des Regisseurs hier einmal mehr der Methode der starken Reibungen zwischen Urtext und Komposition – und den sich daraus ergebenden Brechungen. Hilsdorf führte Verdis in Deutschland weniger bekannte Oper wieder näher an die Vorlage Schillers heran.
(Aalto-Theater Essen 2014/15)

Musikalische Leitung Friedrich Haider
Inszenierung: Dietrich Hilsdorf
Bühne: Dieter Richter Kostüme: Renate Schmitzer
Choreinstudierung: Alexander Eberle

Termine & Bestellung

Samstag,
30.03.2019
Aalto-Theater, Essen  |  19.00 Uhr - 21.45 Uhr
Luisa Miller
Oper  Giuseppe Verdi (1813-1901)
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Samstag,
20.04.2019
Aalto-Theater, Essen  |  19.00 Uhr - 21.45 Uhr
Luisa Miller
Oper  Giuseppe Verdi (1813-1901)
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Sonntag,
05.05.2019
Aalto-Theater, Essen  |  18.00 Uhr - 20.45 Uhr
Luisa Miller
Oper  Giuseppe Verdi (1813-1901)
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