Peter Bording (Gabriel von Eisenstein), Alexandra Reinprecht (Rosalinde),
© Iko Freese
„Die Fledermaus“
Operette
Johann Strauß (1825-1899)
Premiere am 10. Dezember 2011

Libretto von Karl Haffner, Richard Genée
Uraufführung: 5. April 1874 im Theater an der Wien

Personen
Gabriel von Eisenstein, Rentier (Tenor); Rosalinde, Gabriels Frau (Sopran); Frank, Gefängnisdirektor (Bass); Prinz Orlofsky (Mezzosopran); Alfred, Gesangslehrer (Tenor); Dr. Falke, Notar (Bariton); Dr. Blind, Advokat (Tenor); Adele, Kammermädchen (Sopran); Ida, ihre Schwester (Sopran); Frosch, Gerichtsdiener (Sprechrolle, Komiker); Gäste des Prinzen (Chor); Ballett

Ort und Zeit
Das Haus Eisenstein, im Gartensalon des Prinzen, das Gefängnis des kleinen Badeortes, letztes Drittel des 19. Jahrhunderts.

Inhalt
1. Akt
Zimmer im Haus Eisenstein. Rosalinde hört aus dem Garten die Stimme ihres einstigen Gesangslehrers und Verehrers Alfred. Um nicht in Gefahr zu kommen, von ihm verführt zu werden, gibt sie der Bitte um Ausgang ihrer Zofe Adele nicht statt. Diese gibt vor, ihre kranke Tante besuchen zu wollen, ist aber eigentlich von ihrer Schwester zu einem Fest beim Prinzen Orlofsky eingeladen. Rosalindes Ehemann Gabriel muss an diesem Tag eine Arreststrafe wegen Beleidigung einer Amtsperson antreten. Alfred erscheint und nötigt ihr das Versprechen ab, ihn zu empfangen, wenn ihr Mann im Gefängnis ist. Da kommt Eisenstein wütend über die hohe Strafe nach Hause. Sein Freund Dr. Falke rät ihm heimlich, sich in der Nacht vor der Arreststrafe noch beim Prinzen Orlofsky zu amüsieren. Diese Idee stimmt Eisenstein heiterer und er macht sich in Frack und Zylinder zu seinem Gang ins Gefängnis auf, was Rosalinde zwar verwundert, doch dazu veranlasst, Adele freizugeben und ihren Verehrer doch zu empfangen. Alfred erscheint, macht es sich in Eisensteins Schlafrock gemütlich und zerstreut mit Wein die Bedenken von Rosalinde. Leider stört der Gefängnisdirektor Frank das Stelldichein, um Eisenstein zu der Gefängnisstrafe abzuholen. Um Rosalindes Ehre zu retten, muss Alfred sich als Ehemann ins Gefängnis abführen lassen.

2. Akt
Beim jungen Prinzen Orlofsky im Gartensalon erscheinen die von Dr. Falke einbestellten Protagonisten: Eisenstein tritt als "Marquis Renard", Adele als junge Sängerin, der Gefängnisdirektor Frank als "Chevalier Chagrin" und Rosalinde erscheint als ungarische Gräfin. Dr. Falke verspricht dem Prinzen einen großen Spaß. Er will sich bei Eisenstein dafür rächen, dass dieser ihn als Fledermaus verkleidet auf einem Maskenball lächerlich gemacht hat. Der Verdacht Eisensteins, Adele sei ein Stubenmädchen weist diese entschieden zurück. Seine verkleidete Frau erkennt er jedoch nicht und beginnt einen heftigen Flirt mit der Gräfin. Diese hat aber ihren Ehemann erkannt und entwendet ihm zur Beweissicherung seine Taschenuhr. Bis in die frühen Morgenstunden wird getrunken, gesungen und geflirtet, dann verlassen "Chevalier Chagrin" und "Marquis Renard" das Fest. Der eine übernimmt wieder seinen Posten als Gefängnisdirektor, der andere will seine Strafe antreten.

3. Akt
Der betrunkene Gerichtsdiener Frosch waltet im Gefängnis seines Amtes als sowohl der Gefängnisdirektor wiederkommt als auch Adele mit ihrer Schwester. Adele gesteht dem vermeintlichen Chevalier, dass sie nur ein Stubenmädchen ist, aber er möge sie als Sängerin ausbilden lassen. Da erscheint auch der Marquis und behaupte Eisenstein zu sein. Doch dieser ist ja schon seit dem Abend eingesperrt. Der echte Eisenstein schlüpft in die Rolle eines Rechtsanwaltes und befragt den Gefangenen "Eisenstein". Eisenstein durchblickt das Verhältnis Alfred und Rosalinde, muss jedoch kleinlaut nachgeben, als die dazugekommene Rosalinde ihm seine Taschenuhr zeigt, die sie ihm bei seinem Flirt mit der Gräfin abgenommen hat. Zum Schluss treffen auch Prinz Orlofsky und Dr. Falke im Gefängnis ein. Unter großem Gelächter wird klar, dass die ganze Inszenierung die "Rache der Fledermaus" war.
(Sigrid Riemer für die Theatergemeinde Essen)

Zwar gilt "Die Fledermaus" als der Inbegriff der Wiener Operette, aber genau das ist sie streng genommen nicht. Weder reimt sich hier Herz auf Schmerz noch werden die typischen "Wien, Wien, nur du allein"-Sentimentalitäten besungen. Vielmehr ist Straußens Meisterwerk ein Geistesverwandter der Pariser Operetten von Offenbach & Co., und das nicht nur, weil es auf dem französischen Theaterstück "le Re´veillon" der Offenbach-Librettisten Henri Meilhac und Ludovic Halévy beruht, einer präzis gearbeiteten Pariser Sittenkomödie aus dem Geiste eines Eugène Labiche oder Georges Feydeau.
Zur für dieses Genre typischen Satire auf eine bürgerliche Gesellschaft im Dilemma zwischen Adel und Proletariat kam im Fall der "Fledermaus" noch verschärfend der damals gerade aktuelle wirtschaftspolitische Hintergrund ins Spiel: Bei der Uraufführung der Operette war der so genannte Gründerkrach, der Zusammenbruch und die polizeiliche Schließung der Wiener Börse am 9. Mai 1873 mit 120 Insolvenzen an einem einzigen Tag, noch in lebendiger Erinnerung. All die Verwicklungen der Handlung der "Fledermaus", vom Couponschneider Eisenstein, der ins Gefängnis muss, über die Zofe, die sich in annektierter Garderobe der Herrschaft bei einem Ball einschleicht, bis zu den befrackten Bonvivants, die sich mit falschem Adelstiteln hochstaplerisch zu Affen machen vor einem mindestens ebenso zweifelhaften Prinzen, all das wird ja nur noch brisanter und zugleich komischer, wenn man es vor der schrecklich realen historischen Folie begreift.
(Aalto-Theater Essen)

Musikalische Leitung: Johannes Witt
Inszenierung: Gil Mehmert
Bühne: Jens Kilian
Kostüme: Dagmar Morell
Choreographie: Kati Farkas
Choreinstudierung: Patrick Jasolka
Dramaturgie: Ina Wragge

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