Die Walküre
© Thilo Beu
„Die Walküre“
1. Tag des Ringes der Nibelungen
Richard Wagner (1813-1883)
mit Übertitelung

Oper in drei Aufzügen
Libretto: Richard Wagner
Uraufführung: 26. Juni 1870 am Königlichen Hof- und Nationaltheater in München

Personen
Siegmund (Tenor); Hunding (Bass); Wotan (Bariton); Sieglinde (Sopran); Brünnhilde (Sopran); Fricka (Mezzosopran); Die Walküren: Helmwige (Sopran), Gerhilde (Sopran), Ortlinde (Sopran), Waltraute (Mezzosopran), Siegrune (Mezzosopran), Roßweiße (Mezzosopran), Grimgerde (Alt), Schwertleite (Alt).

Ort und Zeit
Mythologische Zeit. Das Innere der Wohnung Hundings - Wildes Felsengebirge - Auf dem Gipfel eines Felsenberges (des "Brünnhildensteines").

Inhalt

1. Aufzug

Auf der Flucht stürzt sich Wotans Sohn Siegmund unter dem Namen Wehwalt in Hundings Hütte. Hundings Gattin gibt ihm Speis und Trank. Es ist seine Zwillingsschwester Sieglinde, die jung geraubt und zur Ehe gezwungen wurde. Daher erkennen sich die beiden nicht. Da kehrt Hunding zurück und fragt Siegmund über seine Herkunft aus. Dabei stellen sie fest, dass zwischen ihren Sippen erbitterte Feindschaft herrscht. Das Gastrecht zwingt Hunding dazu, Siegmund für die Nacht Unterschlupf zu gewähren, aber am nächsten Morgen soll der Zweikampf zwischen ihnen entscheiden. Hunding legt sich betäubt durch einen Schlaftrunk Sieglindes zur Ruhe. Sieglinde erzählt dem waffenlosen Siegmund von dem Schwert in der Esche, die als Pfeiler der Hütte dient. Dieses Schwert wurde von einem Greis in die Esche gestoßen, konnte seitdem von den stärksten Männern nicht herausgezogen werden. Siegmund erinnert sich an ein Schwert, das sein Vater Wotan ihm einst versprochen hat. Er tauft das Schwert Not(h)ung und zieht es mit einem Ruck heraus. Schließlich nennt Siegmund seinen richtigen Namen und die Geschwister erkennen sich. Sie entbrennen in heftiger Liebe zueinander und zeugen in der inzestuösen Verbindung Siegfried.

2. Aufzug

Wotan berät sich mit Brünnhilde. Siegmund soll bei dem Kampf gegen Hunding geholfen werden. Doch Fricka, die Hüterin der Ehe, erscheint und verlangt die Bestrafung Siegmunds wegen Ehebruch und Blutschande. Wotan muss seine Weisung ändern, da er Hüter der göttlichen Ordnung ist und Frickas Vorwürfe berechtigt sind. Wotan ist an Gesetz und Sitte der Weltordnung gebunden. Aus diesem Grund hat er das Wälsungengeschlecht gezeugt, damit ein freier Held Götter und Welt von dem Fluch des Goldes befreien kann. Daher sind alle Helden, die im Kampf gefallen sind, von Wotans Töchtern, den neun Walküren, in die von Riesen erbaute Burg Walhall gebracht worden. Sie sollen Wotan, der selbst nicht kämpfen darf, unterstützen. Er macht deutlich, dass der Götter Ende naht, wenn der Zwerg Alberich wieder den Ring besitzt. Jetzt muss Wotan das Misslingen seiner Absichten erkennen. Er ersehnt nur mehr eines: das Ende.
Brünnhilde erscheint Siegmund und verkündet ihm seine nahende Niederlage. Da Siegmund aber mehr an seine Liebe zu Sieglinde denkt als an Walhall, wird Brünnhilde von Mitleid übermannt und will ihm im Kampf beistehen. Sie hält ihr Schild im Kampf über Siegmund. Doch Wotan greift schließlich selbst in den Kampf ein, zerstört das Schwert Siegmunds, so dass dieser tödlich verwundet wird. Hunding muss Fricka erzählen, dass Wotan sein Wort gehalten hat und wird dann von Wotan getötet. Brünnhilde flieht mit Sieglinde auf ihrem Ross vor Wotans Rache.

3. Aufzug

Brünnhilde gibt Sieglinde ein Stück des zerbrochenen Schwertes Siegmunds, weist ihr den weiteren Fluchtweg und verkündet ihr, dass sie einen Held gebären wird. Wotan fängt Brünnhilde und bestraft sie für ihren Ungehorsam. Sie darf keine Walküre mehr sein. Als normales Weib soll sie einem Mann angehören. Brünnhilde fleht darum, dass nur ein Held ihr Mann werden soll. Wotan folgt dem Wunsch seiner Lieblingstochter und umgibt sie mit einem Flammenmeer, das nur von dem stärksten Held durchquert werden kann. Brünnhilde liegt schlafend auf dem von Feuer umgebenen Felsen, als Wotan gerührt Abschied von seiner Tochter nimmt.
(Sigrid Riemer für die Theatergemeinde Essen)

In einer Revolutionsschrift apostrophierte der für eine kurze Zeit politisch entflammte Wagner den eigenen freien Willen als das einzige höchste Gesetz. Der spätere "Ring" und darin insbesondere dessen erster Tag, "Die Walküre", glich einem ins Kolossalische geratenen Dementi dieser Aussage. Absolut nichts scheint hier frei. Wagner zeigt dies unmissverständlich gleich in der anfänglichen Sturmszene. Es ist Abend. Das Unwetter lässt nach. Ein Flüchtender, vor Anstrengung halb tot, will ein inmitten der Waldeinsamkeit gelegenes Haus betreten, zögert jedoch für einen bedeutsamen Augenblick, den Riegel noch in der Hand. Das Ende dieses Zögerns setzt die nun starr folgende Unabwendbarkeit der Geschehnisse in Gang. Die Schwellensymbolik, von Wagner längst beständig verwandt, introduziert hier den Übergang in eine Ausweglosigkeit, worin Liebes- und Todessehnsucht sich so verschränken wie kaum je zuvor in einem anderen Werk der Musiktheatergeschichte. Sein Höhepunkt mag weniger im so berühmten wie missbrauchten "Walkürenritt" gesehen werden als in der unendlich bewegenden "Todesverkündigung", die Siegmund das Angebot seiner Halbschwester Brünnhilde auf die Ewigkeit im Heldenhimmel abschlagen lässt, wenn nicht auch für seine Zwillingsschwester Sieglinde die Pforte für jenes transzendente Reich offen steht. Sinnliche Liebe als Versöhnungsverneinung: das ist in der gesamten Tetralogie einzigartig und recht eigentlich das Zentrum des 1870 gegen Wagners ausdrücklichen Willen uraufgeführten Werkes. Die väterliche Macht von Wotan wird hier so fragil, dass auch der Gott selbst aus seinen Verstrickungen kaum mehr zu retten ist. Den Sohn lässt er ermorden, eine schwangere Tochter will er gleich selbst umbringen. Die andere mit Erda gezeugte Tochter gedenkt er dem erstbesten Dahergelaufenen anzubieten. Die eigene Ehe ward seit den Vertragsbrüchen des Vorabends längst zerrüttet. Der Gott scheint - "nur eines will ich noch …" - längst am Ende. Der "Ring" gerät hier - allemal in der Nachbarschaft von Flaubert, Hebbel und Ibsen - vollends zum Familiendesaster.
(Aalto-Theater Essen)

Termine & Bestellung

Samstag,
30.06.2018
Aalto-Theater, Essen  |  17.00 Uhr - 21.30 Uhr
Die Walküre
Oper  Richard Wagner (1813-1883)
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Sonntag,
08.07.2018
Aalto-Theater, Essen  |  16.30 Uhr - 21.00 Uhr
Die Walküre
Oper  Richard Wagner (1813-1883)
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