Rigoletto
© Matthias Jung
„Rigoletto“
in ital. Sprache mit deutscher Übertitelung
Giuseppe Verdi
Premiere: 21. Januar 2017

Melodramatische Oper in drei Akten

Libretto: Francesco Maria Piave nach der literarischen Vorlage "Le roi s'amuse" von Victor Hugo
Uraufführung: 11. März 1851 im Teatro La Fenice in Venedig

Ort und Zeit der Handlung
16. Jahrhundert in Mantua, Italien

Personen
Herzog von Mantua (Tenor); Rigoletto, sein Hofnarr (Bariton); Gilda, dessen Tochter (Sopran); Giovanna, Gildas Gesellschafterin (Alt); Graf von Monterone (Bariton); Graf Ceprano (Bariton); Gräfin Ceprano (Sopran); Marullo, ein Kavalier (Bariton); Matteo Borsa, ein Höfling (Tenor); Sparafucile, ein Mörder (Bass); Maddalena, dessen Schwester (Mezzosopran); ein Gerichtsdiener (Bass); Höflinge (Herrenchor)

Erster Akt

1. Bild: Im Palast des Herzogs von Mantua
Der Herzog von Mantua unterhält sich auf seinem Ball mit dem Höfling Borsa über ein unbekanntes, schönes Bürgermädchen, das er wiederholt in der Kirche gesehen hat. Danach wendet er sich der ebenfalls von ihm umschwärmten Gräfin Ceprano zu. Deren Ehemann wird vom Hofnarren Rigoletto mit billigem Spott verhöhnt. Darüber empört schwört der Graf Ceprano Rache. Überrascht hören die Höflinge von Marullo, dass der bucklige Hofnarr Rigoletto eine Geliebte haben soll. Dieser bringt alle Höflinge gegen sich auf, als er dem Herzog vorschlägt, Ceprano verhaften oder köpfen zu lassen, um freie Bahn bei der Gräfin zu haben. Da erscheint überraschend der Graf von Monterone auf dem Fest. Er fordert den Herzog zum Duell, da dieser seine Tochter entehrt hat. Der Herzog verweigert ihm jedoch die Genugtuung und Rigoletto verspottet den Grafen. Bevor Monterone verhaftet wird, verflucht er den Herzog und Rigoletto.

2. Bild: Dunkle Sackgasse vor Rigolettos Haus
Rigoletto ist von dem Fluch beunruhigt. Er macht sich daher schnell auf den Weg nach Hause zu seiner Tochter Gilda, um sich davon zu überzeugen, dass sie in Sicherheit ist. Auf dem Weg trifft er auf den Mörder Sparafucile. Seine Dienste lehnt er zuerst ab, lässt sich aber erklären, wie er mit ihm in Kontakt treten kann.
Zu Hause wird Rigoletto von seiner Tochter herzlich begrüßt (Figlia! … - Mio padre!), aber auch bedrängt, ihr mehr über sich zu erzählen. Aber er will seiner Tochter weder von seiner Tätigkeit als Hofnarr erzählen noch seinen Namen bei Hofe verraten (Padre ti sono, e basti). Gilda lebt in wohlbehüteter Abgeschiedenheit und darf das Haus nur zum Kirchgang verlassen. Als Rigoletto kurz nach draußen geht, schlüpft der Herzog ins Haus. Die Gesellschafterin besticht dieser mit einem Beutel Geld. Als Rigoletto sich kurz von Gilda verabschieden will, erkennt der versteckte Herzog, dass Gilda Rigolettos Tochter ist. Der Herzog stellt sich schließlich als armer Student Gualtier Maldé vor und erklärt dem jungen Mädchen seine Liebe (È il sol dell'anima, la vita è amore). Nachdem der Herzog wieder gegangen ist, schwärmt Gilda von ihrem Geliebten (Gualtier Maldè!). Da erscheinen Ceprano und andere maskierte Höflinge, um die vermeintliche Geliebte Rigolettos zu entführen. Von einer inneren Unruhe getrieben, kommt Rigoletto zu seinem Haus zurück. Die Höflinge erzählen ihm, dass sie die nebenanwohnende Gräfin Ceprano entführen wollen. Rigoletto will ihnen helfen und hält mit verbundenen Augen die Leiter. Da erkennt er jedoch die Hilferufe seiner Tochter. Zu spät erinnert er sich an den Fluch Monterones (Ah, la maledizione).

Zweiter Akt

Im Palast des Herzogs
Der Herzog ist über die Entführung seiner neuen Geliebten verärgert (Ella mi fu rapita! … Parmi veder le lagrime). Doch als ihm die Höflinge berichten, dass sie diese entführt und bereits in sein Schlafzimmer gebracht haben, eilt er freudig zu ihr. Wütend, aber noch hinter Scherzen seine Wut verbergend, erscheint Rigoletto auf der Suche nach seiner Tochter. Die Höflinge machen sich über ihn lustig (Povero Rigoletto!) bis sie erkennen, dass Gilda seine Tochter ist. Sie lassen ihn aber nicht ins herzogliche Schlafzimmer, worauf er sie in ohnmächtiger Wut beschimpft (Cortigiani, vil razza dannata). Da stürzt Gilda aus dem Schlafzimmer des Herzogs und wirft sich in die Arme ihres Vaters (Mio padre! - Dio! Mia Gilda!). Sie bekennt ihre Liebe zum Herzog, Rigoletto aber sieht nur, dass der Herzog seine Tochter entführt und entehrt hat. Gleichzeitig wird Monterone auf dem Weg zum Kerker vorbeigeführt. Vor dem Bildnis des Herzogs nimmt dieser seinen Fluch zurück. Rigoletto dagegen schwört in diesem Moment, am Herzog Rache zu nehmen (Sì, vendetta, tremenda vendetta).

Dritter Akt

Straße vor Sparafuciles Haus, dreißig Tage später
Rigoletto führt seine Tochter in die Schenke Sparafuciles, um ihr die Treulosigkeit des Herzogs vor Augen zu führen (La donna è mobile). Dieser umgarnt dort inkognito Sparafuciles Schwester Maddalena (Un dì, se ben rammentomi). Daraufhin schickt Rigoletto seine Tochter als Mann verkleidet nach Verona. Er beauftragt den Mörder Sparafucile, den Herzog zu ermorden und ihm dessen Leiche in einem Sack zu übergeben (Venti scudi hai tu detto?). Der Herzog zieht sich in ein Zimmer zurück. Maddalena beschwört ihren Bruder, den Gast am Leben zu lassen und dafür den nächsten Mann, der durch die Tür kommt zu töten. (Somiglia un Apoll quel giovine ... io l'amo). Gilda belauscht das Gespräch zwischen den beiden und beschließt, sich für ihren Geliebten zu opfern (Io vo' per la sua gettar la mia vita). Nach Anweisung ihres Vaters betritt Gilda als Mann verkleidet die Schenke und wird von Sparafucile sofort erstochen und in den Sack gesteckt. Rigoletto erscheint um Mitternacht, um den Sack mit der Leiche in Empfang zu nehmen. Im Glauben, seine Rache sei gelungen, (Della vendetta alfin giunge l'istante!), hört Rigoletto entsetzt die Stimme des Herzogs. Daraufhin öffnet Rigoletto den Leichensack und hält seine Tochter im Arm. Sterbend bittet sie ihren Vater um Vergebung (V'ho ingannato … colpevole fui …). Verzweifelt bricht der Hofnarr mit der Erkenntnis zusammen, dass sich der Fluch Monterones an ihm erfüllt hat (Ah, la maledizione).


Die Oper "Rigoletto" begründete den Weltruhm Verdis, gilt sie doch als sein erstes Meisterwerk. Der Komponist selbst hielt sie für eines seiner gelungensten Werke, welches er nicht mehr weiter überarbeitete. Auch wenn die Oper zuerst von der Zensur beanstandet und geringfügig geändert werden musste, war sie bei ihrer Uraufführung ein überwältigender Erfolg. Sie wurde in fast allen europäischen Opernhäusern gespielt, bevor sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als "Schauerstück" und als triviale "Leierkastenmusik" kritisiert wurde. Heutzutage ist sie wieder eine der meistgespielten italienischen Opern.
(Sigrid Riemer für die Theatergemeinde Essen)

„Der König amüsiert sich“ – so lautet der Titel der Vorlage zu Verdis „Rigoletto“, dem ersten Baustein seiner „trilogia popolare“. In der Oper ist es dann aber kein König mehr, sondern es sind zwei Männer, die sich amüsieren, und zwar auf Kosten anderer: der Herzog von Mantua und sein Hofnarr Rigoletto. Während der Herzog seinen Frauenverschleiß wider moralischer Grundsätze überschäumen lässt, macht sich Rigoletto über die Männer der Auserwählten lustig. Zu Hause mimt er den liebenden Vater, der seiner Tochter Gilda die Außenwelt jedoch beinahe gänzlich verwehrt – nicht mal seinen Namen kennt sie. Es kommt, wie es kommen muss: Gilda und der Herzog verlieben sich ineinander, die Doppelexistenz Rigolettos erhält Brüche. Rache schwörend setzt er ein gewaltiges Drama in Gang, das ihm schließlich selbst zum Verhängnis wird.

Obwohl der Uraufführung ein langes Ringen mit der Zensur vorausgeht, trifft Verdi den Puls der Zeit. Die Themenkomplexe besitzen (noch heute) gewaltige Aktualität: Eine Randfigur will dazugehören, wird aber lediglich geduldet. Gefühle und Beziehungen werden zugunsten des eigenen Egos betäubt oder verdinglicht – es geht um Macht und Eigenverantwortung. Gesellschaftssysteme werden infrage gestellt, das Spiel aus Eigen- und Fremdwahrnehmung immer wieder neu aufgefächert. In der Konsequenz erwächst ein groteskes Gegenüber von real versus irreal, Privatheit versus Öffentlichkeit, Mann versus Frau, Leben versus Tod und Lachen versus Weinen. Unter der quäkenden Oberfläche brodelt bittere Ernsthaftigkeit, die stets vorangetrieben wird durch den archaischen Kern: eine selbsterfüllende Prophezeiung. Kurz vor seinem Tod soll Verdi gesagt haben: „Die ganze Welt ist ein Narrenhaus!“

Und in genau dieses Narrenhaus lädt er uns ein mit einer radikal berührend-bewegenden Musik – ohne Entkommen.
(Theater und Philharmonie Essen 2016/17)

Musikalische Leitung: Matteo Beltrami
Inszenierung: Frank Hilbrich
Bühne: Volker Thiele
Kostüme: Gabriele Rupprecht
Choreinstudierung: Patrick Jaskolka
Dramaturgie: Markus Tatzig

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