Lohengrin
© Forster
„Lohengrin“
mit Übertiteln
Richard Wagner
Premiere: 4. Dezember 2016

Romantische Oper in drei Aufzügen

Libretto: Richard Wagner nach der literarische Vorlage "Parzival" von Wolfram von Eschenbach
Uraufführung: 28. August 1850 im Großherzoglichen Hoftheater in Weimar

Ort und Zeit der Handlung
Antwerpen, Anfang des 10. Jahrhunderts

Personen
Heinrich der Vogler, deutscher König (Bass); Lohengrin (Tenor); Elsa von Brabant (Sopran); Friedrich von Telramund, brabantischer Graf (Bariton); Ortrud, Friedrichs Gemahlin (dramatischer Sopran oder Mezzosopran); Der Heerrufer des Königs (Bariton); Vier brabantische Edle (zwei Tenöre, zwei Bässe); Vier Edelknaben (zwei Soprane, zwei Alti); Herzog Gottfried, Elsas Bruder (stumme Rolle); Chor

Erster Aufzug
König Heinrich hat bei Antwerpen am Ufer der Schelde die Männer des Landes versammelt, um einen Heerzug gegen die einfallenden Hunnen auf den Weg zu bringen. Zuvor will er unter der Gerichtseiche einen Geschlechterstreit zwischen den Brabantern klären.
Elsa, die Tochter des verstorbenen Herzogs von Brabant, wird vom Grafen Telramund angeklagt, ihren Bruder Gottfried ermordet zu haben. Der Erbfolger Gottfried ist bei einem Spaziergang mit seiner Schwester im Wald verschwunden. Telramund, verheiratet mit Ortrud, der letzten Nachfahrin des Friesenfürsten Radbod, beansprucht daher die Fürstenwürde von Brabant für sich selbst.
Elsa umgibt sich mit einer Aura der Unschuld. Sie verteidigt sich nicht gegen die Vorwürfe, sondern berichtet von einem Ritter, der ihr im Traum erschienen sei. Dieser werde sie verteidigen. Aus Dank für seine Hilfe werde sie ihn heiraten ("Einsam in trüben Tagen").
Der König ordnet ein Gottesurteil an. Doch keiner der anwesenden Ritter will im Zweikampf gegen den Ankläger Telramund antreten. Elsa kniet zum Gebet nieder. Da erscheint ein von einem Schwan gezogenes Boot ("Nun sei bedankt, mein lieber Schwan"). Ein fremder Ritter in glänzender Rüstung will für Elsa kämpfen. Auch will er sie zur Frau nehmen, knüpft jedoch daran eine Bedingung: Nie soll sie ihn nach seinem Namen und seiner Herkunft fragen.
Im Kampf besiegt der unbekannte Ritter den Grafen von Telramund, schenkt ihm aber das Leben. ("Durch Gottes Sieg ist jetzt dein Leben mein - ich schenk' es dir, mögst du der Reu' es weih'n"). Der tapfere Ritter wird vom Volk als "Schützer der Frommen" bejubelt. Vom König erhält er die Hand Elsas.

Zweiter Aufzug
In der Nacht nach dem Zweikampf vor der Kirche beklagt Graf Telramund in der Burg von Antwerpen den Verlust seiner Ehre. Er klagt seine Ehefrau an, ihn mit ihrer Aussage, sie habe den Mord Elsas an Gottfried gesehen, zu einer falschen Anklage verführt zu haben. Ortrud ist heimlich dem heidnischen Zauber zugetan. Daher glaubt sie, dass der fremde Ritter nur mit Hilfe eines Zaubers siegreich sein konnte. Sie überzeugt den widerstrebenden Telramund ("Du wilde Seherin, wie willst du doch geheimnisvoll den Geist mir neu berücken"), den Zauber gemeinsam aufzudecken. Sie planen, Elsa zu bedrängen, nach Namen und Herkunft ihres zukünftigen Mannes zu fragen. Elsa erscheint, um kurz vor ihrer Hochzeit dem Schicksal für ihre wundersame Errettung zu danken. Ortrud spricht Elsa an und erweckt mit ihrer heuchlerischen reuevollen Klage ihr Mitleid. Als Ortrud in den Palast eingelassen wird, ruft sie die heidnischen Götter Wodan und Freia an ("Entweihte Götter"). Der versteckte Telramund schwört, sich an dem fremden Ritter zu rächen .
Ein neuer Tag bricht an. Die Heerrufer verkünden mit Trompetensignalen die Ächtung Telramunds, "weil untreu er den Gotteskampf gewagt". Ebenso lassen sie verlauten, dass der "fremde, gottgesandte Mann" mit dem Herzogtum Brabant belehnt und noch im Laufe des Tages mit Elsa vermählt werde. Der Ritter will nicht Herzog genannt werden, sondern "Schützer von Brabant" und soll am nächsten Tag die Brabanter im Heerzug gegen die Hunnen anführen.
Ortrud stellt sich Elsa beim Eintritt in die Kirche in den Weg. Sie verlangt den Vortritt, da sie aus adligem Geschlecht sei, Elsa hingegen nicht einmal den Namen und die Herkunft ihres Bräutigams kenne. Elsa wehrt sich mit Hinweis auf Telramunds Ächtung. Der König trifft ein in Begleitung des fremden Ritters und Ortrud muss den Weg freimachen. Telramund wird von vier brabantischen Edlen in die Kirche gezerrt. Den Gegnern des bevorstehenden Feldzuges hatte er erzählt, dass das Gottesurteil durch einen Zauber verfälscht worden sei. Er klagt den unbekannten Ritter an und fordert die Preisgabe von Namen und Herkunft. Doch der Schwanenritter will diese Frage nur Elsa beantworten, wenn sie ihm tatsächlich diese stellen sollte. Trotz aller Verunsicherung verzichtet Elsa auf jeder Auskunft. Ihre Liebe und ihr Vertrauen stehen über allem Zweifel. Unter Jubel ziehen beide in die Kirche ein.

Dritter Aufzug
Das frischvermählte Paar wird in das Brautgemach geleitet ("Treulich geführt"). Elsa spricht ihrem Gatten erneut ihr Vertrauen aus. Sie will unter allen Umständen zu ihm halten. Er beruhigt sie und gesteht ihr seine adelige Herkunft, die er für sie aufgibt ("Das einz'ge, was mein Opfer lohne, muss ich in Deiner Lieb' ersehn" und "aus Glanz und Wonne komm' ich her"). Doch dieses Geständnis erweckt in Elsa den Wunsch, ihren Mann bei seinem Namen nennen zu können. Sie stellt ihm schließlich die verbotene Frage. In diesem Moment stürmt Telramund mit gezücktem Schwert in die Kammer. Im Kampf erschlägt der fremde Ritter den Angreifer. Tief erschüttert begeben sich der Ritter und Elsa vor den König, der sich gerade von seinem Volk verabschiedet. Der fremde Ritter berichtet vom Hinterhalt Telramunds und beschuldigt seine Gattin Elsa des Vertrauensbruchs. Da sie ihm die verbotene Frage gestellt habe, müsse er nun ehrlich antworten. Dann könne er aber nicht mehr als Herzog und Heerführer in Brabant bleiben. Er sei nämlich Lohengrin, der Sohn des Gralskönig Parsifals. Nur unerkannt habe er die göttliche Kraft, für das Recht zu kämpfen ("In fernen Land"). Nun müsse er das Land verlassen, aber er versichert allen, dass der Kampf gegen die Hunnen erfolgreich sein werde. Da erscheint überraschend das vom Schwan gezogene Boot. Lohengrin erzählt Elsa, dass ihr Bruder Gottfried nach einem Jahr nach Brabant zurückgekehrt sei. Nachdem der Ritter sich von Elsa verabschiedet hat, sinkt diese ohnmächtig zusammen ("Mein lieber Schwan"). Ortrud ruft triumphierend aus, dass der Schwan wohl der verschwundene Gottfried sei, den sie selbst verzaubert habe. Lohengrin kann durch sein Gebet den Zauber brechen. Der Schwan versinkt und Gottfried steigt vom Zauber erlöst aus den Fluten. Ortrud und Elsa sinken tot zu Boden, während sich Lohengrin unendlich traurig mit dem Kahn entfernt. Das Volk klagt voller Entsetzen ("Weh! Ach!").
(Sigrid Riemer für die Theatergemeinde)

Elsa von Brabant wird des Mordes an ihrem Bruder Gottfried bezichtigt. Dabei ist sie den Vorwürfen der Ankläger Telramund und Ortrud komplett ausgeliefert. Die Gesellschaft zeigt sich aufgewühlt und verunsichert, doch selbst König Heinrich kann die Wogen nicht glätten. Denn: Es scheint um noch mehr, um Existenzielles, aber auch um Subtiles zu gehen, als bloß um missgünstige Beschuldigungen. Die Suche nach der Wahrheit wirkt ausweglos. Da betritt ein Mann von außen das Geschehen, ein "Erlöser" in potenziell zweifacher Hinsicht - für die Gesellschaft und auch für Elsa. Vermutlich ist er der fehlende Zahn am Rad. Er will Elsa helfen, sie verteidigen und für Gerechtigkeit kämpfen. Außerdem will er nicht von ihrer Seite weichen, sie sogar heiraten. Doch er knüpft sein Hilfsangebot an eine Bedingung, die höchstes, beinahe blindes Vertrauen verlangt: Niemals solle Elsa nach seinem Namen und seiner Herkunft fragen. Diesen auf den ersten Blick womöglich nicht ganz nachvollziehbaren Liebesbeweis (oder eben Schrei nach Liebe) will Elsa erbringen. Aber die Sache geht schief. Elsa plagen, verständlicherweise, urmenschliche Fragen. Sie bricht mit dem Pakt, indem sie das Unausgesprochene einfordert - und verliert alles.
Richard Wagners Erzählung von einer Humanisierung des Göttlichen, um den Konflikt vom Heiligen, das Glauben einfordert, und von der Liebe, die Vertrauen verlangt, markiert einen wichtigen Punkt am Übergang von der Oper hin zum musikalischen Drama. Wagner nimmt uns mit in eine Welt, die musikalisch tief berührt und in ihren Bann zieht. In seinen übrigen Werken verspricht der Tod zumindest noch eine utopische, metaphysische Erlösung durch Liebe. In "Lohengrin" aber ist die tragende Kraft die Liebe. Und genau deshalb ist es - das schreibt Wagner selbst - sein einziges wirklich tragisches und trauriges Musiktheaterwerk.
(Theater und Philharmonie Essen 2016/17)

Musikalische Leitung: Tomás Netopil
Inszenierung: Tatjana Gürbaca
Bühne: Marc Weeger |
Kostüme: Silke Willrett
Licht: Stefan Bolliger
Choreinstudierung: Jens Bingert
Dramaturgie: Markus Tatzig

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