Sandra Janusaité, Almas
© Bettina Stoess
„Rusalka“
Lyrisches Märchen in drei Akten
Antonín Dvorák (1841-1904)
Premiere 23. Mai 2015

In tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Dichtung von Jaroslav Kvapil (1868-1950)

Uraufführung: 31. März 1901 am Tschechischen Nationaltheater in Prag
Deutsche Erstaufführung: 5. Oktober 1929 in Stuttgart

Ort und Zeit
Märchenland und Märchenzeit

Personen
Der Prinz (Tenor); Die fremde Fürstin (Sopran); Rusalka, die Nixe (lyrischer Sopran); Vodník, der Wassermann (Bass); Jezibaba, die Hexe (Mezzosopran); Der Heger (Tenor); Der Küchenjunge (Sopran); Der Jäger (Bariton); Drei Elfen oder Waldgeister (2 Soprane und Alt); Gefolge des Prinzen, Hochzeitsgesellschaft, Elfen, Nixen u. a.

Handlung

Erster Akt
Im Mondlicht um einen Waldsee tanzen und singen die Nixen und treiben Schabernack mit dem auftauchenden Wassermann. Die Nixe Rusalka macht bei dem ausgelassenen Treiben nicht mit, sondern sitzt traurig abseits. Dem Wassermann gesteht sie, dass sie sich in den Prinzen, der oft zum Baden an den See kommt, verliebt hat. Sie träumt davon, eine menschliche Seele zu haben, um mit ihm zusammen sein zu können. Vergeblich warnt der Wassermann die junge Nixe vor den Menschen und rät er, sich an die Hexe Jezibaba zu wenden. Diese erscheint und sagt, welchen Preis Rusalka zahlen muss, um ihren Wunsch erfüllt zu bekommen. Rusalka muss in der Menschenwelt stumm bleiben und wenn sie die Liebe des Prinzen nicht erlangt, muss sie ihn töten, um ins Wasserreich zurückkehren zu können. Obwohl die Hexe der verliebten Nixe prophezeit, dass diese zurückkehren werde, lässt sich Rusalka nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Als der Prinz am Morgen an den See kommt, findet er eine wunderschöne, jedoch stumme Frau vor. Er wirbt um sie und nimmt sie mit auf sein Schloss.

Zweiter Akt
Der Heger und der Küchenjunge lästern im Schlosspark über die sonderbare stumme Braut des Prinzen. Auch die sich versammelnden Hochzeitsgäste finden das schöne, jedoch fremde und schweigsame Mädchen unheimlich. Selbst der Prinz wundert sich, dass sich Rusalka nicht zu seinen Liebesschwüren äußert. Als eine attraktive fremde Fürstin unter den Gästen auftaucht, wendet sich der Prinz dieser fasziniert zu. Schließlich stellt er diese Frau als seine Braut vor. Rusalka erkennt die Untreue des Prinzen. Dem Wassermann kann Rusalka von ihrem gebrochenen Herzen und ihrer Sehnsucht nach dem Wasserreich erzählen. Als der Prinz zum Schlossteich kommt, wirft sich Rusalka in letzter Verzweiflung in seine Arme. Aber der Prinz stößt sie von sich. Der Wassermann erhebt sich aus dem Wasser und verkündet dem Prinzen das drohende Unheil, bevor er mit Rusalka in den Fluten verschwindet. Durch die Botschaft verängstigt, wendet sich der Prinz an die fremde Fürstin. Diese weist ihn jedoch auch voller Hohn ab und lässt den Prinzen verzweifelt alleine zurück.

Dritter Akt
In der Abenddämmerung am See sitzt die traurige Rusalka und beklagt ihr Schicksal nicht mehr zurück in die Wasserwelt zu können. Trotz Flehen hat die Hexe ihre Drohung nicht zurückgenommen. Entweder muss Rusalka den Prinzen töten oder für ewig als todbringendes Irrlicht herumwandern. Rusalka liebt den Prinzen immer noch so sehr, dass sie sich weigert ihn zu töten. Auch der Heger und der Küchenjunge kommen zur Hexe und suchen Rat für den schwermütigen Prinzen. Doch der Wassermann verjagt die beiden. Er berichtet den anderen Nixen vom Schicksal Rusalkas, während der Prinz, von Sehnsucht nach Rusalka getrieben und sich wie im Traum bewegend, reumütig am Ufer des Sees erscheint. Rusalka erscheint ihm als Irrlicht. Sie bezichtigt den Prinzen des Treuebruchs. Er bittet sie als Zeichen der Vergebung um einen Kuss. Die Warnung, dass dieser Kuss ihn töten wird, schreckt ihn nicht ab. Er küsst sie, um seine Schuld zu büßen und stirbt in ihren Armen. Doch Rusalka wird nicht erlöst, sondern bringt als Irrlicht den Menschen ewiges Verderben.

Rezeption
Die im Jahr 1900 entstandene Oper "Rusalka" ist neben Bedrich Smetanas "Die verkaufte Braut" wohl die bekannteste tschechische Oper. Sie verschwand nie aus dem Repertoire des Prager Nationaltheaters. Die zugrundeliegenden slawischen Volksmythen über die "Rusálki" (Wassergeister, Nixen) zeigen große Ähnlichkeiten zu deutschen Erzählung wie "Undine" von Friedrich de la Motte Fouqué, Hans Christian Andersens Märchen "Die kleine Meerjungfrau", Gerhard Hauptmanns "Die versunkene Glocke" sowie der altfranzösischen Melusinensage. Der Librettist Kvapil hatte nach einer Reise nach Bornholm das Libretto geschrieben. Verschiedene Komponisten lehnten es jedoch ab. Dvorak schließlich begeisterte sich spontan für den Text und komponierte die Oper zwischen April und November 1900 in seinem Landhaus in Vysoká. Dvorák hat in seiner impressionistisch wirkenden, raffiniert harmonischen Musik die Naturstimmungen des Waldes und des Sees gekonnt umgesetzt. Aus den spätromantischen Melodien spricht Melancholie und Liebessehnsucht.
(Sigrid Riemer für die Theatergemeinde Essen)

Die Oper "Rusalka", 1901 im Nationaltheater Prag uraufgeführt und Antonín Dvoráks vorletztes Werk, klassifiziert der Librettist Jaroslav Kvapil als "lyrisches Märchen". Das Stück erzählt die Geschichte der "Rusalka", einer Nixe, die durch einen Hexenzauber menschlich wird. So erst kann sich zwar ihre lang ersehnte Liebe zu dem Prinzen erfüllen, doch muss sie dafür verstummen. Der Prinz verstößt die Stimmlose und ist damit selbst dem Tode geweiht. Bei der Handlung lässt Kvapil Elemente verschiedener Mythen sowie literarischer Werke zusammenfließen. Zum einen diente Hans Christian Andersens Märchen "Die kleine Meerjungfrau" als Vorlage, zum anderen Friedrich de la Motte-Fouqués Erzählung "Undine" sowie Gerhart Hauptmanns Drama "Die versunkene Glocke". Bemerkenswert an "Rusalka" ist die Tatsache, dass hier nicht die Perspektive eines heroischen, am Ende siegenden Titelhelden im Vordergrund steht, sondern die zerbrechliche, tragisch-melancholische und doch kraftvoll-urgewaltige Persönlichkeit der Rusalka. Bei dem Versuch, sich der Seele eines Menschen anzunähern, stört und verändert sie jedoch empfindlich das Gleichgewicht zwischen diesen beiden so völlig gegensätzlichen Seiten von Mensch und Natur. Wenn der Prinz, dem Rusalka am Anfang verfällt, am Ende ihren tödlichen Kuss ersehnt, tut er dies nicht nur, um sich selbst von Schuld zu befreien, sondern um beide Seiten – seine menschliche und Rusalkas urnatürliche – wieder ins Gleichgewicht zu bringen und damit zu erlösen. Doch erst Dvoráks spätromantische Musik, die durch ihre vielschichtige Subtilität die Handlung nicht nur unterstützt, sondern vielmehr stark erweitert und komplettiert, macht diese Oper zu einem Musikdrama, das völlig zu Recht zu den größten Meisterwerken der tschechischen Oper zählt.
(Aalto-Theater Essen 2014/15)

Termine & Bestellung

Samstag,
15.06.2019
Aalto-Theater, Essen  |  19.00 Uhr - 22.00 Uhr
Rusalka
Oper  Antonín Dvorák (1841-1904)
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Sonntag,
30.06.2019
Aalto-Theater, Essen  |  18.00 Uhr - 21.00 Uhr
Rusalka
Oper  Antonín Dvorák (1841-1904)
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Sonntag,
07.07.2019
Aalto-Theater, Essen  |  18.00 Uhr - 21.00 Uhr
Rusalka
Oper  Antonín Dvorák (1841-1904)
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