Stefan Diekmann
© Martin Kaufhold
„Der Reichsbürger“
Schauspiel
Annalena und Konstantin Küspert
Premiere: 21. September 2019

Inszenierung, Bühne und Kostüme: Thomas Krupa
Musik: Hannes Strobl
Dramaturgie: Vera Ring

Können sie beweisen, dass es den staat gibt? dass es die bundesrepublik deutschland gibt? ... deutschland gibt es, natürlich gibt es das. aber den staat deutschland gibt es nicht.“ Lange Zeit wurden sie weder von der Öffentlichkeit noch von den Behörden wahr- oder gar ernstgenommen: so genannte „Reichsbürger“, die die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennen – denn schließlich sei die Besatzung Deutschlands nie beendet worden und die Bundesrepublik ausschließlich ein Konstrukt der Alliierten. Eigentlich bestehe nach wie vor das Deutsche Reich fort – Grund genug für „Reichsbürger“, ganz nach Belieben auf ihrem Grund und Boden eigene Kleinstaaten auszurufen, Pässe und Dokumente auszustellen und sich bzw. gleichgesinnte Mitstreiter zu Reichskanzlern, Königen, Kaisern oder anderen Staatsoberhäuptern zu ernennen.Nachdem „Reichsbürger“ lange als weltfremde Spinner abgetan wurden, exzentrisch, aber harmlos, bekam das Thema neue Brisanz, als 2016 einer von ihnen durch seine Wohnungstür hindurch das Feuer auf Polizisten eröffnete und dabei einen Beamten tötete. Rund 19.000 „Reichsbürger“ soll es in Deutschland inzwischen geben – Tendenz rasant steigend –, die sich aus dem Gesellschaftsvertrag zurückziehen, dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland die Legitimation absprechen und glauben, dass sie die Exekutive selbst in die bewaffnete Hand nehmen können: „diesem fake-staat schulde ich nichts, keine steuern, keine treue, und schon gar nicht mein leben und meine sicherheit. Realitätsverweigerer, ideologisch verblendete Sonderlinge, Utopisten oder radikale Wutbürger? Rund 3.200 „Reichsbürger“ sind derzeit in NRW registriert – im März 2019 wurde der erste von ihnen als gewaltbereiter Gefährder eingestuft, und Experten erwarten eine weitere Radikalisierung. Wie gefährlich sind diese Menschen für die Gesellschaft?

Konstantin und Annalena Küspert beleuchten die Psyche eines „Reichsbürgers“, der weit davon entfernt ist, wie ein aggressiver Verschwörungsfanatiker daherzukommen, und nähern sich dabei ebenso bissig wie aufklärerisch diesem irritierenden gesellschaftlichen Phänomen.

Thomas Krupa studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie in Köln und Rom. Nach ersten Regiearbeiten in Göttingen, Basel, Meiningen und Dortmund war er von 1996 bis 2000 Hausregisseur und Mitglied der Schauspieldirektion am Staatstheater Darmstadt. Seine für die EXPO 2000 entstandene Inszenierung von „Chroma“ von Werner Fritsch wurde 2001 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Von 2002 bis 2004 war Krupa spartenübergreifend Oberspielleiter am Theater Freiburg, dann bis 2006 Hausregisseur und Mitglied der künstlerischen Leitung. Seitdem arbeitete er als freier Regisseur für Schauspiel und Oper u. a. in Freiburg, Erlangen, Gießen, Berlin, Karls ruhe, Düsseldorf, Frankfurt, München, Dortmund, Bonn und New York. Von 1996 bis 2005 unterrichtete er an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt a. M. und an den Universitäten in Zürich und Freiburg. Seit 2011 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste. Am Schauspiel Essen inszenierte er u. a. die Uraufführungen von „25 Sad Songs“, Peter Weiss‘ „Die Ästhetik des Widerstands“, Noah Haidles „Skin Deep Song“ sowiezuletzt Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“.
(Theater und Philharmonie Essen)

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